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Lektion erteilt

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Jacare, Cabedelo am 4. Mai 2012 - 14 Uhr

Wir liegen seit 11 Wochen hier in Jacare, Cabedelo im Rio Paraiba, Brasilien, am selben Platz vor Anker und wollten eigentlich am 7. Mai 2012 nach Trinidad aufbrechen.
Wir waren gerade unter Deck, als es auf einmal schrecklich rumste. Eine Segelyacht krachte nach deren Ankermanöver mit ihrem Bug in das Heck unserer vor Anker liegenden Amica. Dabei wurde die "MONITOR", eine Windfahnensteueranlage der Firma Scanmar, Californien, beschädigt.

Da der Schadensverursacher zunächst uneinsichtig war und uns beschimpfte, haben wir aus Sicherheitsgründen den Vorgang bei der Capitania in Cabedelo aktenkundig gemacht. Zwei Polizeibeamte waren vor Ort und haben beide Parteien angehört. Der Unfallverursacher teilte uns mit, dass er diesen Schaden bei seiner Versicherung melden würde. Ein Gutachter sollte bei uns erscheinen und den Schaden vor Ort ansehen. Der Marinepolizei gegenüber wurde ein Schuldeingeständnis abgegeben. Der Gutachter sollte am 14. Mai kommen. In der Annahme, dass die Angelegenheit klar sei und die Abwicklung der Schadensregulierung fair verlaufen würde, haben wir die Anzeige bei der Capitania zurückgezogen.

Vom englischen Bootsfahrer bekamen wir dann die Mitteilung, der Flug des Gutachters sei wegen schlechtem Wetter am Flughafen abgesagt worden. Einen neuen Termin werde er uns schnellstmöglich mitteilen. Am nächsten Tag brachte er uns diverse ausgefüllte Papiere seiner Haftpflichtversicherung, wie Name und Tel.-Nummer des Gutachters. Auf die Frage, er möge uns seine Adresse geben, antwortete er mit der Begründung, er sei versichert und die Angelegenheit gehe Ihn nichts mehr an, abschlägig. Kurz darauf ist er einfach abgehauen.

Da wir nunmehr nur noch die Versicherung als Ansprechpartner hatten, wandten wir uns bezüglich der Schadensregulierung an diese. Es ging mit der vom Schadensverursacher benannten Versicherung Pantaenius UK mehrfach hin und her, bis es schließlich 14 Briefe waren. Jetzt hatten wir endgültig die Faxen dicke. Nachdem auch kein Gutachter kam, haben wir beschlossen uns an die Pantaenius Zentrale in Deutschland zu wenden. Diese verschaffte sich einen Überblick über die Schadenakte der Kollegen in England und teilte uns im Ergebnis mit, hier leider nicht weiter helfen zu können.

Der Aktenlage nach, hatten die Versicherungsnehmer (der schadensverursachende englische Bootsfahrer) gegenüber Ihrer Versicherung gegenteilige Angaben zum Hergang der Havarie gemacht. Nach diesen Aussagen sei es unsere Yacht gewesen, die mit slippenden Anker rückwärts trieb und den Schaden selbst verursacht hat. Der Vertreter der Versicherung kam zu folgender Einschätzung

"Diese Aussage erscheint auch etwas logischer, als dass Yachten vor Buganker sich parallel ausrichten und geht ein Schiff auf Drift, kann es nur schwer erklärbar Schäden am Heck einer anderen Yacht verursachen. Gleichzeitig wurden unabhängige Zeugen benannt, die die eigene Schilderung (Anmerkung des Autors: die eigene Schilderung ist die gegenüber der ursprünglich vor Ort bestätigten Beschreibung später geänderte Darstellung des verschwundenen englischen Bootsfahrers) bestätigten. Ich bedaure Ihnen keine positive Nachricht geben zu können."

Unser Ergebnis nach einer der wenigen nichtsdestotrotz allerdings sehr schmerzhaften negativen Segelerfahrung ist, dass man leider nicht auf die Fairness unter Seglern vertrauen kann (immer soweit möglich ein Protokoll von einer neutralen Stelle aufnehmen lassen, Zeugen aktenkundig machen und evtl. Anzeigen bis zur Schadenregulierung bestehen lassen) – wir sind vom Verhalten dieses speziellen Bootsfahrers nachhaltig unangenehm betroffen.

Ein Mensch (ja, auch Segler sind entgegen anders lautenden Gerüchten Menschen) sollte für die von Ihm verursachten Schäden soweit möglich einstehen. Die Versicherung hilft in der Regel bei der finanziellen Schadensregulierung auf der Basis der polizeilich geklärten Herganges (und wird in seltenen Fällen auch zur Vermeidung der Schadensregulierung missbraucht).

Wir verstehen, dass dem Versicherer widersprüchliche, von Zeugen bestätigte Aussagen zum Sachverhalt vorliegen. Aus unserer Sicht wurden jedoch unsere Zeugen sowie die Gegebenheiten vor Ort nicht umfassend bei der Bewertung durch den Versicherer berücksichtigt. Insbesondere hinsichtlich der Kommunikation sind wir von dem Verhalten des Versicherers enttäuscht.

Wir hatten ein eindeutiges Verschulden Ihres Versicherungsnehmers vor Ort bereits nachgewiesen. Dennoch wurde aus einem scheinbar einfachen Unfall mit nachfolgender versicherungstechnischen Regulierung ein lang andauerndes Ärgernis mit negativem Ausgang.




Es ist Flut der Anker liegt weit hinter seinem Boot
Der Anker liegt unter seinem Boot


                                          Wir fassen zusammen

- Ein englischer Segler fährt uns ins Heck, die Steueranlage ist beschädigt
- Der Unfallverursacher beschimpft uns zunächst, dass wir zu dumm zum Ankern sind
- Der Unfallverursacher gibt im weiteren Verlauf vor der Wasserschutzpolizei sein Verschulden zu
- Er bringt uns dann diverse Papiere seiner Versicherung zur Regulierung des Schadens
- Er bestellt einen Gutachter und überreicht uns ein Papier mit dessen Name und Tel. Nummer
- Er verweigert sich, uns seine Adresse zu geben, der Rest gehe ihn nichts mehr an
- Der Unfallverursacher verschwindet unbemerkt
- Pantaenius macht mit der Bearbeitung erst nach Anhörung unserer Zeugen weiter
- Nach zwei Monaten taucht auf einmal ein Holländer als Zeuge auf
- Pantaenius arbeitet bis zu drei Monate an diesem Fall
- Unsere Zeugen wurden nie angehört
- Der holländische Zeuge teilt Pantaenius mit, dass wir die Havarie verursacht haben
- Pantaenius verweigert die Weiterbearbeitung, der Gutachter kommt nicht mehr
- Wir schrieben an den Geschäftsführer und Inhaber persönlich, Er antwortet wieder nicht
- Es wurden alles ignoriert, mit der Begründung, die Aussage des Zeugen sei eindeutiger
- Pantaenius kann sich nicht entscheiden, ob es ein eindeutiger Haftpflichtschaden ist


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Erläuterung der Situation und Abläufe vor Ort

Es gibt tatsächlich Sachverhalte und Abläufe, die unmittelbar nach dem Ereignis am 4. Mai 2012 vor Ort festgestellt wurden und noch heute an diesem Ankerplatz so passieren. Diese können bei Ankerfehlern zu Kollisionen führen. Die Beobachtungen (die Basis für die Zeugenaussagen) können ohne Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse und des zeitlichen Ablaufes zu widersprüchlichen Einschätzungen führen. Es kann sehr schwer für das ankommende Boot sein, den sicheren Ankerbereich zu identifizieren, da hilft nur Kontaktaufnahme und aktives Beobachten um die Sicherheit zu gewährleisten.

Bei Flut machen die Segelboote vor Anker Fahrt durch’s Wasser, da die resultierende Strömung flussaufwärts/zu Berg gerichtet ist. Der Wind kann die Boote aber gegen die Flut in Richtung Mündung treiben, in diesem Fall machen Sie bei starkem Wind ggf. auch noch Fahrt über Grund bis die Kette am Anker zieht. Der Wind drückt aber immer weiter, dass die Boote sich nun drehen. Durch diese Drehung liegen die Boote zeitweise quer im Fluss. Jetzt gerät die größte Angriffsfläche der Boote gegen die Flut. Folgerichtig werden die Boote nun gegen den Wind zu Berg getrieben. Da die nachziehende Ankerkette immer schwerer wird, werden die Segelboote wieder in Richtung Mündung ausgerichtet.

Durch diese Tatsache fahren die Boote wieder rückwärts zu Berg bis die Boote an der Kette ziehen oder der Wind bereits vor Erreichen dieses Punktes stark genug ist, die Boote wieder in Richtung Mündung zu treiben. Je nach resultierender Kraftrichtung beginnt der Ablauf von neuem. Das ist der vor Ort beobachtetet Ablauf. Unser Boot lag bereits 11 Wochen vor Anker und bei der Untersuchung vor Ort wurde kein spontanes Slippen des Ankers festgestellt.

Die gemachten Fotos der Beteiligten Boote beweisen an Hand Ihrer Ausrichtung, dass es noch Flut war. Die Boote liegen vor Anker, machen Fahrt durch's Wasser, aber nicht über Grund. Weil die Boote im weiteren Verlauf durch den Wind gegen die Strömung in Richtung Mündung getrieben werden, kann man nun sagen, die Boote machen Fahrt durch's Wasser und auch über Grund.

Wenn der Zeuge des Engländers behauptet, dass sich unser Boot in Bergfahrt befand, und meine Zeugen behaupten der Engländer sei zu Tal gefahren, dann kann man sagen alle Aussagen der Beteiligten vor Ort haben Recht.

Weil die Ankerkette des Versicherungsnehmers (Bild) nach hinten verläuft, war sein Boot schon soweit zu Tal gefahren das die Ankerkette das Weiterfahren verhinderte. Da sich die Amica gerade in der Phase der Bergfahrt befand, wird Sie Ihre Fahrt solange fortsetzen bis die Ankerkette das Weiterfahren verhindert, oder der Wind dafür sorgt, dass die Amica irgendwo zum stehen kommt oder wieder in Richtung Mündung getrieben wird.

Als das Boot des Engländers seine Talfahrt beenden musste, weil das Gewicht der nachziehenden Ankerkette immer schwerer wurde, oder aber, der Wind hatte die Kraft nicht mehr das Boot noch weiter weg vom Anker zu treiben, blieb sein Boot dann einfach stehen. Da das Boot des Engländers direkt in der Ankerlinie der Amica, zu dicht, das heisst innerhalb des Bewegungsbereiches der Amica lag und die Bewegungen der beiden Boote nicht synchron abliefen, behinderte das hinzugekommene Boot die Weiterfahrt der Amica und es kam zur Kollision.

Die Aussage des holländischen Zeugen, unsere Yacht sei es gewesen, die mit slippenden Anker rückwärts trieb und den Schaden selbst verursacht hat, ist so nicht ganz richtig, weil er den Anker gar nicht sehen und somit den Sachverhalt nicht feststellen konnte. Bei der Untersuchung vor Ort wurde auch kein spontanes Ankerslippen festgestellt.

Durch zu nahes Ankern und dann auch noch genau auf der gleichen Linie seines Vorgängers, kommt es immer wieder zu diesen Havarien. Durch diese zwei gravierenden Fehler können sich Yachten die über ihren Anker gefahrenen sind
parallel ausrichten und geht ein Schiff auf Drift, kann es schwere Schäden am Heck einer anderen Yacht verursachen.

                                                               
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Wer sich mit einem Segelschiff in einen Fluss der Tropen,
-  während der Regenzeit
-  mit einem Tidenhub von mehr als zwei Metern
-  und Windgeschwindigkeiten bis zu 40 Knoten traut,
muss die Tücken der Natur kennen. Ansonsten hat er dort nichts verloren !!! PUNKT.

Ich habe allen beteiligten Person und ganz besonders Ihn als haftender Gesellschafter und Geschäftsführer von Pantaenius mit umfangreichen Hilfsmitteln, Schilderungen, einem Video und Zeichnungen versucht, die Komplexität der Materie nahe zu bringen. Wenn Herr Xxxxxx Xxxxxx (ppa. Dipl.-Ing. Geschäftsleitung) aus Ihrem Hause Pantaenius  schreibt, dass er das Segeln im Wattenmeer in der Nordsee erlernt habe und in den Schulferien auf einem Krabbenkutter gefahren ist und sich dann zum Einstieg in die Berufsschifffahrt entschieden hat, und schreibt dann weiter, "Ich denke schon, dass ich mir ein Urteil erlauben kann, wie sich Schiffe unter Einflüssen starker Strömungen verhalten", dann hat er damit sicherlich recht.

               Da kann ich nur noch sagen, Neptun kriegt den ersten Schluck.


          Ich habe meine Lektion gelernt und bin gut vorbereitet für den nächsten
                    Versicherungsfall, der hoffentlich nicht kommen wird.

             Wir haben ein eindeutiges Verschulden Ihres Versicherungsnehmers
                                         nachgewiesen !






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